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Regionales Vernetzungskonzept, Stand Mai 2022

Vor dem Hintergrund einer sich in Transformation befindlichen Region gewinnen identitätsstiftende Themen gesamtgesellschaftlich enorm an Bedeutung. Die Land- und Ernährungswirtschaft spielt für den Aufbau, die Erhaltung und die Entwicklung nachhaltiger Wertschöpfungsketten auf Grundlage der natürlichen Ressourcen eine zentrale Rolle.

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18 4.2.2 Direktvermarktung Direktvermarktungsmodelle spielen vor allem für kleinere Betriebe, die häufig nicht den Zugang zu den Strukturen des LEH finden, eine wachsende Rolle. Die Emotionalisierung kann im Kontext des Food-Markts als spezifische Form der Vertrauensdimension aktiv genutzt werden. Die erwähnten Plattformlösungen ergänzen hier bereits bestehende Konzepte und sind zudem Startpunkt von wirtschaftlichen und sozialen Innovationen. Kontinuität versprechende Formate wie Abo-Modelle bieten zudem eine größere Unabhängigkeit von konjunkturbedingten Marktschwankungen. Als stark herausstechende Vermarktungsform ist dabei die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) zu nennen, die eine maximale Bindung zwischen Verbraucher und Erzeuger definiert. Zumeist gilt diese Vermarktungsform als ein urbanes Phänomen, das sich nur in der Nähe größerer Städte dauerhaft etablieren kann. Es zeigte sich jedoch im Verlauf des Projekts, dass es aber v.a. auch im Landkreis Görlitz eine ganze Reihe bereits existierender und in Gründung befindlicher SoLaWis gibt. Auch und gerade im ländlichen Raum hat diese Vermarktungsform einen relevanten Stellenwert. Herauszuheben sind dabei mehrere Faktoren: o o o o Es handelt sich um eine auf Vertrauen, Kommunikation und Begegnung basierende Wirtschaftsform, die vor allem für Familienunternehmen eine neue Chance darstellt; Verbraucher erleben durch die Teilnahme an einer SoLaWi eine direkte Verbindung zu den landwirtschaftlichen Produktionsprozessen und gewinnen einen unmittelbaren Einblick in die vielfältigen Herausforderungen. Dadurch wächst das Verständnis für die Arbeit und die Wertschätzung der Produkte; Für junge und urbane Zielgruppen stellen SoLaWis einen attraktiven Schwerpunkt im ländlichen Raum dar, der lebensweltlichen Anschluss an Netzwerke der sozialen Innovation verspricht. Hier sei etwa auf das Beispiel Heckenhof in Sohland am Rotstein verwiesen; Die gemachten Erfahrungen als Ernteteiler in einer SoLaWi prägen deren Konsumverhalten nachhaltig, auch wenn eine Mitgliedschaft beendet werden wird. 4.2.3 Zivilgesellschaft und Ernährungswende Ebenso wie die Einbeziehung von Partnern aus den Bereichen Forschung und Wissenschaft, Bildung und Schulwesen ist die Kooperation mit NGOs und Vereinen auf den ersten Blick nicht Gegenstand der Arbeit des NETZWERK REGIONALE WERTSCHÖPFUNG IM LANDKREIS GÖRLITZ. In einem erweiterten Fokus jedoch zeigt sich, dass eine breite Basis des angestrebten Regionalmanagements unverzichtbar ist. Hier spielen zwei Dimensionen eine besondere Rolle. Einerseits ist die Engagementkultur zum Thema Regionalität und Nachhaltigkeit im urbanen Raum

19 stark verbreitet. Dadurch wird es möglich, die Belange der ländlichen Räume und der Produktion vor Ort für neue Zielgruppen und für andere Interessierte zugänglich zu machen. Dieses Bestreben drückt sich etwa in der Bezeichnung „Ernährungsrat Dresden und Region“ aus. Künftige Absatzmärkte in der Kommunikation sofort mitzudenken und Partner aus den entsprechenden soziökonomischen Milieus zu gewinnen, kann ein entscheidender Vorteil werden. Produktinnovation, Kommunikation, Werbung und Marktzugang sind hier mit den potenziellen Konsumenten zusammen zu denken, nicht von außen an sie heranzutragen. Darüber hinaus ist im ländlichen Raum häufig eine starke Zivilgesellschaft anzutreffen, sie sich selbstständig und kreativ den Herausforderungen vor Ort stellt. Im Rahmen des Projekts wurden daher Kontakt zu den Landfrauen des Landkreises Görlitz ebenso geknüpft wie zu Slow Food oder den „Dialoggruppen“, die sich eher auf andere Kontexte beziehen, jedoch dennoch aktiv an der Entwicklung von Märkten, kooperativen Vermarktungsformaten und weiteren Ideen beteiligt sind. Den Sektoren NGOs, Vereine, Tradition- und Heimatpflege, Innovation und Belebung ländlicher Räume ist in Zukunft verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen. Für die Vorbereitung des Sächsischen Landeserntedankfestes 2022 in Zittau wurden im Rahmen des Projekts Grundlagen der Netzwerkarbeit gelegt. Auch die Einbeziehung ehrenamtlicher Partner und zivilgesellschaftlicher Akteure wie Slow Food, Landfrauen etc. belebte die Ideenfindung. Ein weiteres Ideenfeld fand Eingang in die Entwicklung einer Imagekampagne für die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft (#unbezahlbarland). 5. Forschungsausblick Durch die Arbeit im Projektzeitrum konnte sich das NETZWERK REGIONALE WERTSCHÖPFUNG IM LANDKREIS GÖRLITZ ein umfassendes Bild der Ausgangssituation und der Herausforderungen machen. Die Einordnung der Initiativen und Entwicklungen innerhalb des Landkreises Görlitz in den Kontext der Konzeptionen des Freistaats Sachsen wurde bereits angesprochen. Hier gibt es entsprechende, konkrete Ansätze. Für die Weiterführung der Förderung der regionalen Wertschöpfung ist es von essenzieller Bedeutung, sich auch der wirtschaftswissenschaftlichen Untersetzung der vorhandenen Daten zu widmen. Um die Strategieentwicklung nachhaltig zu forcieren ist es sinnvoll, eine Einordnung in den Gesamtkontext der Forschung zur regionalen Wertschöpfung anzustreben. Als Vorschlag wird im Vernetzungskonzept ein Themenübersicht vorgestellt: 5.1 Theorie - exakte wissenschaftliche Erfassung der Gesamtproblematik (regional etc.) o Definition regional gliedern nach

Strategie / Planung