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Regionales Vernetzungskonzept, Stand Mai 2022

Vor dem Hintergrund einer sich in Transformation befindlichen Region gewinnen identitätsstiftende Themen gesamtgesellschaftlich enorm an Bedeutung. Die Land- und Ernährungswirtschaft spielt für den Aufbau, die Erhaltung und die Entwicklung nachhaltiger Wertschöpfungsketten auf Grundlage der natürlichen Ressourcen eine zentrale Rolle.

8 benachteiligter Böden

8 benachteiligter Böden • regionale Wertschöpfungsketten mit Potenzial zum Ausbau • großes Interesse an der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft bei kleineren Betrieben • Wertschöpfungsketten häufig nicht vollständig, es fehlen aktiv hergestellte Verbindungen • Technisches Knowhow (Mühlen etc.) wird nicht genutzt Chancen • Attraktivität des ländlichen Raums nimmt zu • Landschaftswandel und Klimawandelfolgen sind ein zunehmend wichtiges Thema und rücken die Bewirtschaftung benachteiligter Böden in den Fokus • Neuess Land, neue Produkte, neue Chancen, neue Zielgruppen – für die Wertschöpfung aus der Fläche entsteht eine neue Offenheit Risiken • Starker Konkurrenzdruck, Wertschöpfung durch Nahrungsmittelproduktion reicht häufig nicht aus • Strukturwandel wird nicht als das die gesamte Region betreffende Thema wahrgenommen • Energiegewinnung finanziell attraktiver als Investitionen und Arbeitsaufwand für die Lebensmittelproduktion 3.1.3 Spezialprobleme Die Preissteigerungen der zurückliegenden Jahre und die vergleichsweise geringen Kapitalressourcen stellen gerade Betriebe und Landwirte in Ostdeutschland zunehmend vor existenzielle Herausforderungen. Damit wird sowohl der Zugang zu landwirtschaftlich nutzbarem Land immer schwieriger, wie auch die Erwirtschaftung der notwendigen Pachtzahlungen. Der Kauf von Flächen gestaltet sich zunehmend komplizierter, wozu auch die Verschärfung der Nutzungszielkonflikte, etwa im Kontext der Energiewende, beiträgt. Der Finanzbedarf für die Ausstattung mit landwirtschaftlichen Produktionsgütern verschärft die Situation. Investitionen in den Maschinenpark, Produktionsanlagen, Stallungen und gegebenenfalls Verarbeitungs- und Veredelungsanlagen muss durch die Erwirtschaftung von Einnahmen finanzierbar bleiben. Die Amortisation von Investitionen über lange Zeiträume kollidiert mit den sich mittelfristig verändernden rechtlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Die daraus resultierende Rechtsunsicherheit und die Schwierigkeiten bei der Prognostizierung des Absatzes stellen krisenhafte Situationen für die Landwirtschaft dar.

9 Sowohl die Fachkräftesituation wie auch das Thema Unternehmensnachfolge spielen für die Betriebe der Land- und Ernährungswirtschaft eine besondere Rolle. Insbesondere für kleinere Unternehmen ist vor allem die langfristige Gewinnung von Mitarbeitenden oder von geeigneten Akteuren für die Übernahme von Betrieben eine Herausforderung. Die Bereiche Nahrungsmittelproduktion und Direktvermarktung stehen hier besonders unter Druck, da der beständig steigende Verkaufspreis von landwirtschaftlichen Flächen einen starker Anreiz setzt, den Boden zu veräußern ohne die Produktion mit eigenem Betrieb weiterzuführen. Hierfür waren im Verlauf des Projektzeitraums einige Beispiele zu beobachten. Diese Tendenz stellt für die Zukunft eine Herausforderung dar, der nach Möglichkeit zu begegnen ist. Im Landkreis Görlitz vermindern sich die Bodenwerte zur Bemessung der Bodenfruchtbarkeit in Korrelation mit der räumlichen Ausdehnung. Während im Süden eher nährstoffreiche Böden mit guter bis sehr guter Ertragslage vorherrschen, sind im Norden stark sandige und nährstoffarme Böden vertreten, die auf Grund der geringeren Fruchtbarkeit auch einen geringeren Ertrag bringen. Insbesondere hier verschärfen sich für die Landwirte die Rahmenbedingungen, etwa wenn rechtliche Auflagen zum Düngemitteleinsatz verändert werden. 3.2 Betrachtung anhand der Wertschöpfungskette 3.2.1 Die Wertschöpfungskette Für die wirtschaftswissenschaftlich fundierte Ermittlung der regionalen Wertschöpfung müssen die Vorleistungen ermittelt und quantifiziert werden. Diese Daten sind sinnvollerweise im Rahmen von Detailuntersuchungen und Analysen für ausgewählte Betriebe zu erstellen. Die regionalen Wertschöpfungsketten lassen sich schematisch gliedern, etwa in der Urproduktion als Basis nach Art der land- und ernährungswirtschaftlichen Produktion: o Ackerfrüchte wie Brotgetreide, Raps, Mais, Futtermittel etc. o Gemüse bzw. Marktfrüchte o Tierproduktion, auch insbesondere Fisch aus der regionalen Teichwirtschaft o Land- (Forst, Wein, Gartenbau) und Ernährungswirtschaft (und Handwerk) Darauf aufbauend sind die Verarbeitung und Veredelung in den Wertschöpfungsketten abzubilden. Dies kann produktionsnahe Verarbeitungsschritte und landwirtschaftliche Dienstleistungen umfassen, wie etwa die Getreidereinigung und die Verarbeitung von Getreide in Mühlen. Unmittelbar daran anschließend sind die handwerklichen Verarbeitungsbetriebe zu betrachten, in dem genannten Beispiel kann es sich dabei um Bäckereien handeln. Durch kurze regionale Wertschöpfungsketten werden die Produkte für die Verbraucher unmittelbar sichtbar und erlangen einen hohe Alltagsrelevanz,

Strategie / Planung