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Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt?

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Eine Studie zur Verbesserung der Verbleibchancen qualifizierter Frauen im Landkreis Görlitz

2 Die Anteile der

2 Die Anteile der höchsten Bildungsabschlüsse sind abhängig von den Altersabgrenzungen. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen liegt der Anteil der Frauen mit Hochschulabschluss im Landkreis Görlitz bei rund 16% (in Sachsen durchschnittlich bei 22%). Das verdeutlicht, dass die Anteile der hier dargestellten höchsten Bildungsabschlüsse in den Altersgruppen der 25- bis 34-Jährigen und 35- bis 44-Jährigen zwei Besonderheiten aufweisen. Erstens befinden sich in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen noch die Auszubildenden und Studierenden, zweitens spiegelt sich in der Altersgruppe der 35-44-Jährigen die hohe Abwanderungsquote in den 1990er und 2000er Jahren wider. 3 Im Zensus 2011 wurden Informationen zum höchsten beruflichen Bildungsabschluss und zum Erwerbsstatus neben Alter und Geschlecht erhoben und liegen als Sonderauswertung für das Forschungsprojekt vor. Abbildung 3: Höchste Berufsbildungsabschlüsse im Jahr 2011 nach Alter und Geschlecht Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2016b (Sonderauswertung für Projektbericht auf Basis des Zensus 2011), eigene Darstellung (gerundete Werte), Ergebnisse der Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis am 9. Mai 2011 Die älteste betrachtete Altersklasse ist die der 35- bis 44-Jährigen. Zu- und Fortzüge sind häufig Wanderungen in der Familienphase. Hier wandern Frauen und Männer oft paarweise, wodurch die Geschlechterselektivität, aber auch die Wanderungsdynamik abnimmt. 2.4 Bildung Junge Männer im Landkreis verlassen häufiger als Frauen die Schule ohne einen Hauptschulabschluss. Die größte Gruppe unter den männlichen wie weiblichen Schulabgängern sind jene mit Haupt- und Realschulabschlüssen, wobei hier mehr junge Männer diese Abschlüsse erwerben als Frauen (62 Prozent vs. 72 Prozent). Dafür stellen die jungen Frauen einen höheren Anteil derjenigen, die mit der allgemeinen Hochschulreife die Schule verlassen (rund 30 Prozent). Der Anteil der männlichen Schulabgänger mit Hochschulreife steigt von rund einem Fünftel im Jahr 2008 auf rund ein Viertel im Jahr 2014 (Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2016b). Der Anteil von Frauen mit einem akademischen Berufsabschluss (Fachhochschulabschluss, Hochschulabschluss oder Promotion) im Landkreis Görlitz ist im Jahr 2011 nur geringfügig höher als bei Männern (25 bis 34-Jährige: 13 vs. 11 Prozent, 35 bis 44-Jährige: 12 vs. 11 Prozent) und liegt weit unter dem sächsischen Durchschnitt (Abbildung 3). 2 Die Akademikerquote im Landkreis Görlitz liegt in etwa auf dem Niveau anderer ländlich geprägter sächsischer Landkreise, wie beispielsweise der Vogtlandkreis (vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2014). In städtischen Gebieten ist die Akademikerquoten bekanntermaßen höher als im ländlichen Raum (vgl. Fromhold-Eisebith 2006). 2.5 Beschäftigung Der geringe Anteil an akademischen Berufsabschlüssen in den jüngeren Kohorten im Landkreis Görlitz lässt vermuten, dass die Arbeitskräftenachfrage für diese Abschlüsse gering ist. Dennoch ist von Interesse, wie die im Landkreis lebenden hoch qualifizierten jungen Frauen und Männer auf dem hiesigen Arbeitsmarkt platziert sind. Auf Basis kommunaler Statistiken kann mangels verfügbarer Daten keine Aussagen über ihre Arbeitsmarktplatzierung getroffen werden. Hinweise bietet die Haushaltsstichprobe des Zensus aus dem Jahr 2011. 3 Tabelle 1: Anteil der Erwerbslosen bezogen auf alle Erwerbspersonen nach Geschlecht, Alter und höchstem beruflichen Bildungsabschluss im Jahr 2011 (in Prozent) 4 Ohne beruflichen Abschluss Männer Anteil Erwerbslose in Prozent Berufliche Ausbildung Fachhochschule Hochschule/ Promotion Ohne beruflichen Abschluss Frauen Deutschland alle Altersgruppen 11 4 2 2 9 4 3 3 25 bis 34 Jahre 13 5 3 4 13 5 3 4 35 bis 44 Jahre 10 4 2 1 10 4 3 3 Sachsen alle Altersgruppen 13 7 4 3 13 7 3 4 25 bis 34 Jahre 15 6 3 4 19 8 3 6 35 bis 44 Jahre 10 6 2 2 13 6 2 2 Landkreis Görlitz alle Altersgruppen 13 9 4 3 16 8 3 3 25 bis 34 Jahre 21 10 5 11 28 9 1 3 35 bis 44 Jahre 12 7 0 1 15 7 0 0 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2016b (Sonderauswertung für Projektbericht auf Basis des Zensus 2011), eigene Darstellung (gerundete Werte), Ergebnisse der Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis am 9. Mai 2011 Berufliche Ausbildung Fachhochschule Hochschule/ Promotion Zunächst wird die Beschäftigung mittels der Erwerbslosenquote qualifiziert (Tabelle1): Mit steigender Bildung sinken die Erwerblosenquoten. Die höchsten Erwerbslosenquoten sind in der Gruppe, die über keinen beruflichen Abschluss verfügen, zu beobachten. In dieser Bildungsgruppe liegen die Erwerbslosenquoten weit über dem Durchschnitt im Vergleich zu Sachsen bzw. Deutschland. In der Alterskohorte der 25- bis 34-Jährigen ist der Anteil der erwerbslosen Frauen ohne Berufsabschluss 28 Prozent (gegen über 21 % Männer). Das Verhältnis kehrt sich bei den höheren Abschlüssen um: Der Anteil der erwerbslosen Akademikerinnen in dieser Altersgruppe beträgt 3 Prozent (Männer: 11%). In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen sind unter den Hochqualifizierten kaum noch Erwerbslose zu verzeichnen. Das Ergebnis ist wenig überraschend und sollte mitnichten als eine besonders gelungene Arbeitsmarktintegration der höher Qualifizierten im Landkreis Görlitz gewertet werden, denn: a) Erwerbspersonen mit akademischem Abschluss haben generell die besten Arbeitsmarktchancen in Deutschland und die berufliche Mobilität ist unter den höher Qualifizierten am stärksten ausgeprägt (Wolter 2014; Ruppenthal 2010). Höher Qualifizierte ohne Chancen auf einen bildungsadäquaten Arbeitsplatz in der Region scheinen entweder von einer Zuwanderung in den Landkreis abzusehen oder, sofern sie bereits hier leben, wandern sie ab, sollte die Etablie rung in den Arbeitsmarkt nicht erfolgreich sein. Nicht nur bei einer drohenden Erwerbslosigkeit, sondern auch bei einer potenziellen ausbildungsinadäquaten beruflichen Platzierung in der Region ist anzunehmen, dass (Fach-)Hochschulabsolventinnen und -absolventen ihre Suche nach Tätigkeiten auf den überregionalen Arbeitsmarkt ausweiten bzw. schon ausgeweitet haben. b) Nur mit Einschränkungen kann deshalb für die im Landkreis Görlitz lebenden Erwerbstätigen der Frage nachgegangen werden, ob sie berufliche Tätigkeiten entsprechend ihres Qualifikationsniveaus ausüben, also ausbildungsadäquat beschäftigt sind. Dazu werden die Anteile der Personen in „Akademischen Berufen“ und in „Führungspositionen“, für die in der Regel hohe Qualifizierungsniveaus gefordert sind, getrennt nach den verschiedenen Bildungsgruppen dargestellt, um die geschlechtsspezifische Differenzen in der Bevölkerung aufzudecken (Tabelle 2). Personen mit einem Fachhochschulabschluss sind eine besonders relevante Gruppe, da in den höheren Bildungseinrichtungen im Landkreis Görlitz überwiegend dieser Abschluss Tabelle 2: Anteil der Akademischen Berufe und Führungskräfte nach Geschlecht, Alter und höchstem beruflichen Bildungsabschluss im Jahr 2011 (in Prozent) 5 Ohne beruflichen Abschluss Anteil der akademischen Berufe und Führungskräfte in Prozent Männer Frauen Berufliche Ausbildung Fachhochschule Hochschule/ Promotion Ohne beruflichen Abschluss Berufliche Ausbildung Fachhochschule Hochschule/ Promotion Deutschland alle Altersgruppen 9 12 62 82 7 12 50 77 25 bis 34 Jahre 35 bis 44 Jahre Sachsen alle Altersgruppen 10 9 57 77 9 13 44 72 25 bis 34 Jahre 16 10 69 80 12 14 54 74 35 bis 44 Jahre 10 11 64 83 8 14 48 78 Landkreis Görlitz alle Altersgruppen 6 8 53 76 7 12 45 73 25 bis 34 Jahre 9 7 74 72 7 12 47 72 35 bis 44 Jahre 10 10 49 87 8 14 58 73 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2016b (Sonderauswertung für Projektbericht auf Basis des Zensus 2011), eigene Darstellung (gerundete Werte), Ergebnisse der Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis am 9. Mai 2011, * Zahlen nicht Bestandteil der Sonderauswertung 4 Erwerbspersonen sind alle Erwerbstätigen und Erwerbslosen nach dem Labour-Force-Konzept der International Labour Organisation (vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2014). 5 Anmerkung: Berufsangaben der Befragten wurden nach dem International Standard Classification of Occupations (ISCO-08) kodiert (Loos et al. 2013; Europäische Kommission 2009). Akademische Berufe und Führungskräfte sind hier in einer Kategorie zusammengefasst. Zu den nichtakademischen Berufen zählen Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe, Bürokräfte und verwandte Berufe, Dienstleistungsberufe und Verkäufer, Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, Handwerksund verwandte Berufe, Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe, Hilfsarbeitskräfte und Angehörige der regulären Streitkräfte (vgl. Loos et al. 2013). 10 11